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Lifelines
 

(c) Mone Hartman 2004 - Texte für das Online-Literaturprojekt "tagebau"
(Lesungen geplant für Frühjahr/Sommer 2004)


 
montierte Sonne

Ein Supermarkt. Menschen, aber kein Getümmel: Niemand bewegt sich.
Absolutes StillSteh'n. 
Ein einziges Geräusch: Das Klackern meiner Absätze (zaghaft).
Nichtmal das Sirren der Neonröhren kann ich hören, nichtmal das.
Kinder mit offenen Mündern: Stummes Krakeelen.
Ich nehme eine Flasche Gin aus dem Regal und gehe an der starren Kassiererin vorbei ins Freie. Dort hat irgendwer eine neue Sonne für mich an den Himmel gehängt:
Die strahlt und strahlt, mit mir um die Wette.
Hier, unter blauem Himmel: Fliessendes Bewegen. 
Autos gleiten gedämpft, Passanten schweben tänzelnd,
ein Flugzeug am Himmel und ich denk': 
Das will mich bringen dorthin, wo Milch und Honig endlos fliessen.
Ich denk': 
Die neue Sonne da oben, die hat mir ein Engel dorthin montiert.
 

KernFusion (irgendwann Sonne sein)
(für A.G.)

Die Tage ein süsses Flirren,
das tanzt wie gold'nes Konfetti im Licht,
und HonigBlut in den Venen, das sprudelt:
Da fliessen helle Träume aus tiefen Kellern,
Richtung Firmament, verschmelzen-
Energie!

(irgendwann, hör' ich den fernen Pedro sagen,
irgendwann werdet ihr Sonne sein)
 
 

Lichtjahresreisen
(für 'Salino' / Markus Salewski †)

(Text kam im Feb. 04 in die Endausscheidung 
des Literaturwettbewerbs "poetry on the cover")

in den Nächten zu Hause,
da leuchten hell die Sterne,
tagsüber findet man nicht hin-
dachten wir, damals

und wir gingen auf Lichtjahresreise
rannten schnell und schneller
durch die Dunkelheit
durch uns're Dunkelheiten
Richtung Firmament
zu den schönen Sternen hin-
dachten wir, damals

wir brauchten tatsächlich recht lang,
-um uns're Träume zu zerstören
die Löcher im Brustkorb dann
mit ScheinGlück gefüllt

und an irgendeinem JahresEnde
als draussen, sternbeschienen
und leuchtraketenerhellt,
alle auf die Zukunft prosteten
warst Du nur müde, müde
das nächste Jahr, 
das schaff' ich nicht mehr
Deine letzten Worte
Deine letzten Blicke

wenn ich jetzt 
durch die Dunkelheit geh'
durch meine Dunkelheiten
leuchten hell die Himmelskörper
am Firmament
wie damals
und ich bilde mir ein:
dieser Eine, der so hell erstrahlt
und zu blinken scheint,
das bist Du:
ein schöner Stern geworden

und ein Kuss von mir geht hin zu Dir
auf seine Lichtjahresreise

später dann, im Traum
fällt mir Dein Lachen vom Himmel
 
 

bestialisches Treiben

ich trieb es mit vielen
Sternen da oben
die Lippen schön blutig geküsst
(und keine Worte, keine Worte)

dann Du, mein Freund-
wir schnitten tief
in die junge Haut uns'rer Arme
sammelten das Blut
in einer Schale aus Kristall
und wir tranken
und war'n ganz besoffen davon

heute noch zuweilen
BlutGeschmack auf den Lippen:
das Tier, das ich bin
es leckt 
seine ewigen Wunden
und manchmal
beisst es den Sternen
die Lippen schön rot
(und keine Worte, keine Worte)
 
 

Keine Fütterung

Ich bin eine verlorene WeltKugel.
Kreise ohne Trost in einer Fremde: Kosmische Dimensionen.
Geschaetzte 2,7 Kelvin hier: 
Mich friert, und die Sonne heute nur ein wirklich winzig gelber Zwerg.
Moechte gern in meinem Magma baden.
Kreise ohne Trost. 
Ah dort in der Ferne: Ein Kugelsternhaufen (alt aber hell, so hell).
In mir ein Mikrokosmos: MandelKern (ach Amygdala).
Und Rezeptoren, die dort wohnen- schrei'n: 
HUNGER! HUNGER! HUNGER! 
keine Fuetterung
 
 

WeltSchimmel (zu hell für einen AllTag)

aus der Nacht geboren, steigt mir ein TraumTag zu Kopf.
'Schau' mal nach draussen: Die Welt is' ja völlig verschimmelt!', ruft jemand.
Ich geh' hinein die Landschaft: 
Wie weisser EdelSchimmel liegt etwas auf allem.
HellGrell die Sonne: Strahlt in meine Augen, von überall her.
Es ist zu hell für ohne Sonnenbrille.
Es ist zu hell für einen ArbeitsTag.
Es ist zu hell für einen AllTag.
Es ist gerade gut für eine Illusion:
Dass da nicht der ganze Dreck wäre, unter dem herrlichen Weiss.